Vom Pazifik in den Nebelwald

Costa Rica · März 2020

Vom Pazifik in den Nebelwald

Zwei Wochen zwischen Brüllaffen und Lockdown: Vulkane, Nebelwald, geschlossene Strände, der zweitletzte Flug aus dem Land.

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Drei Wochen Mietjeep-Roadtrip von der Pazifik- über die Berg-Nebelwälder bis an die Karibik-Südküste. Wir kommen mit sechs Stunden Verspätung in San Jose an, fahren in der Nacht durch Nebelgebirge zum Vulkan Arenal — und drei Wochen später steigen wir in den zweitletzten Flug raus, kurz bevor Costa Rica seine Grenzen wegen Corona schliesst.

Sechs Stops, sechs Klimazonen, einmal alles: Brüllaffen-Wecker, Aras-Schwarm im Sonnenuntergang, Bad im biolumineszenten Pazifik, Quetzals im Bergnebel und Reggae am Karibik-Strand.

01 13.–16. Maerz 2020

Vulkan Arenal / La Fortuna

Unser Flug ist sechs Stunden zu spät — unser Plan, bei Tageslicht zur ersten Unterkunft zu fahren, fällt flach. Wir fahren drei Stunden durch Nebelgebirge und Dschungel im Dunkeln zur Arenal Lodge. Am Morgen erwachen wir, schauen durchs Panoramafenster — und der Vulkan Arenal steht in voller Pracht vor uns, fast ohne Wolkenmütze.
Die Lodge hat ihren eigenen Regenwald rund ums Haus, mit vielen wilden Tieren, schöner Gartenanlage und Pool. Wir besuchen den La Fortuna Wasserfall, überqueren Hängebrücken im Regenwald und gehen auf eine Wildtier-Safari in der Dämmerung — wir sehen Brüllaffen, Tukane, Faultiere. Abends fahren wir ins Hotel Tabacon Thermal Resort & Spa: Vulkanquellen, super Pool-Bar, heiss genug, dass wir nicht wissen ob das Erholung oder Vorbestrafung ist. Brüllaffen klingen für uns wie alte Männer mit Atemnot — sie wecken uns um halb sechs, jeden Morgen.

02 16.–19. Maerz 2020

Monteverde Nebelwald

Auf der Karte ist Arenal → Monteverde ein Katzensprung — in der Realität sind es drei Stunden Buckelpiste über den Berg, Höchsttempo 30 km/h zwischen den Schlaglöchern. Belohnung: ein wunderschönes Holzhaus mitten im Wald, in dem regelmässig Nasenbären vorbeischauen, immer in der Hoffnung auf etwas Essbares.
Drei Tage, drei Programme. Am ersten Tag die Sky-Adventures-Combo: Sky Walk über die Hängebrücken durch die Baumwipfel und anschliessend ins Herpetarium mit Schlangen, Echsen, Spinnen und Vögeln. Am zweiten Tag der El-Tigre-Wasserfall-Hike — auf dem Papier 8 km mit vier Wasserfällen und neun Brücken, in der Praxis ein Härtetest: 100 % Luftfeuchtigkeit, 30 Grad, ein paar hundert Höhenmeter, die nirgends im Prospekt stehen, und unsere Wasserflaschen viel zu früh leer. Hängebrücken im Wechsel mit natürlichen Baumstamm-Brücken, dazwischen das Rauschen des nächsten Wasserfalls.
Am dritten Abend gehen wir auf Nachtsafari im Nebelwald: Frösche, Spinnen, Skorpione, Schlangen — und schliesslich ein Faultier hoch oben in den Ästen.

03 19.–22. Maerz 2020

Puerto Jimenez / Corcovado

Wir fahren sechs Stunden in den Südwesten Costa Ricas. Schöne Strecke mit viel Aussicht — und Fahrt über die berühmte Brücke mit den riesigen Krokodilen darunter. Wir finden das imposant und respekteinflössend.
Bei der Ankunft erreicht uns die Hiobsbotschaft: Nationalpark Corcovado wegen Corona geschlossen. Was jetzt? Unser Super-Host ist gleichzeitig Guide und kennt viele Leute. Er organisiert uns eine Kajak-Tour durch Flüsse und Meer — wir halten die Augen offen nach Haien, Krokodilen und Delfinen, von denen wir tatsächlich welche zu sehen bekommen.
In der dunklen Dämmerung nehmen wir dann ein magisches Bad im Pazifik: das biolumineszente Plankton lässt das Wasser blau leuchten, sobald wir uns bewegen. Da der Park zu ist, fahren wir abseits der Hauptstrassen weit weg vom nächsten Dorf an einsame Pazifik-Strände — kilometerlang, menschenleer. Dafür haben wir Gesellschaft von verschiedenen Affen, die herumbrüllen und uns beobachten wie wir sie. Und ein Schwarm Aras lässt sich gleich neben uns auf einem Baum nieder — was für ein Anblick.

04 22.–23. Maerz 2020

San Gerardo de Dota / Quetzals

Wir fahren weiter zum Quetzal-Nationalpark. Wir kommen in einem kleinen Berghüttlein in Providencia unter, auf 2'200 Metern. Hier oben leben die Quetzals — die scheuesten und schillerndsten Vögel Mittelamerikas, ein Nationalsymbol Costa Ricas. Früh am Morgen sind wir draussen auf dem Pirschpfad, der Atem in der dünnen Bergluft, immer auf der Suche nach dem majestätischen Vogel. Dann sehen wir einen grün-türkis-roten Schimmer im Geäst — und bekommen ihn tatsächlich zu Gesicht.

05 23.–26. Maerz 2020

Cocles / Karibik-Suedkueste

Wir wollen an den karibischen Strand an der Ostküste — Puerto Viejo de Talamanca, Strandort Cocles. Wir landen in einer anderen Welt nach den Bergen: Reggae im Hintergrund, schwarze und weisse Sandstrände im Wechsel, Kokospalmen direkt am Wasser.
Kaum haben wir die Tücher ausgelegt, kommt die Polizei — sie haben wegen Corona auch die Strände geschlossen. Ob das sinnvoll ist, lassen wir dahingestellt. Wir gehen ins nächste Strandrestaurant und bestellen Cocktail und Burger. Da wegen Covid sonst niemand unterwegs ist, haben wir quasi einen Privatkoch für uns. Er setzt sich zu uns, fragt was wir mögen — und zaubert uns den besten Burger ever, den er für uns entworfen hat.
Am nächsten Tag bringt uns ein Einheimischer zu seinem geheimen Plätzchen: ein wunderschöner Wald mit Fluss und Wasserfall auf seinem Privatgrund, Eintritt gegen kleine Gebühr. Im Jaguar Rescue Center standen wir leider vor verschlossenen türen.

06 26.–27. Maerz 2020

Heredia / Baumhaus nahe San Jose

Da unsere Karibik-Unterkunft nicht das Wahre ist und mit den Grenzschliessungen nicht klar ist wie es weitergeht, fahren wir einen Tag früher Richtung San Jose und checken in Heredia in ein cooles Baumhaus ein — mit Sprudel-Badewanne und Riesenschaukel am Haus.
Während wir alles für den Heimflug bereit machen, erreicht uns die Nachricht: unser geplanter Rückflug ist der zweitletzte Flug, der das Land verlassen darf. Glück oder Pech gehabt? Wir kommen heim, aber zwei weitere Monate Costa Rica, bis sie die Grenzen wieder öffnen, wären auch nicht übel gewesen.

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