Erstes Quartier ist nicht Reykjavík, sondern ein süsses Häuschen östlich der Hauptstadt: das Blackwood Cottage, ein Airbnb mit weitem, schönem Land drumherum. Vier Nächte, von denen jede Tagesausflüge in eine andere Richtung erlaubt.
Ankunftstag, der 6. August: noch kurz in den Geothermal Park Hveragarðurinn — heisses Wasser kocht mitten im Dorf aus dem Boden, daneben Tomaten und Bananen in Gewächshäusern, beheizt von der Erde selbst. Ein erster Vorgeschmack darauf, wie nah hier alles am Vulkan liegt.
Tag zwei: Golden Circle. Þingvellir — wir laufen durch den Spalt, in dem die nordamerikanische und eurasische Platte auseinanderdriften, zwei Zentimeter pro Jahr. Geysir und Strokkur — eigentlich verwechselt man die Namen, aber niemand korrigiert dich. Strokkur bricht alle paar Minuten aus, mit der Pünktlichkeit einer Schweizer S-Bahn. Gullfoss zum Abschluss: zweistufiger Wasserfall in einer Schlucht, Sprühregenbogen oben, kalte Hosenbeine unten. Dazu der Kerið-Krater, ein blauer See in einem rotbraunen Rand. Und tiefer ins Hochland: Háifoss, ein 122 Meter hoher Wasserfall, dessen Existenz man fast vergisst, weil ihn weniger Reisebusse erreichen.
Am 8. August um zwei Uhr nachmittags: Schnorcheln in der Silfra-Spalte. Glasklares Gletscherwasser zwischen den beiden Kontinentalplatten, zwei Grad Celsius, Trockenanzug bis ans Kinn. Sicht: gefühlt 100 Meter. Die Felsen unter einem leuchten in einem Blau, das nicht aussieht wie Wasser, sondern wie ein Filter über dem Bewusstsein.
Tag vier ist der Tag der Superlative. Morgens um neun: Inside the Volcano. Wir fahren mit einem Aufzug 120 Meter in den Schlot eines schlafenden Vulkans hinunter — Þríhnúkagígur, eine der wenigen Magmakammern der Welt, in die man hineinsteigen kann. Die Wände sind rot, gelb, grün, schwarz, in der Stille hört man das eigene Herz. Niemand sagt etwas, das ist üblich hier unten. Nachmittag in Reykjavík: durch die Gassen schlendern, Kaffee, ein bisschen Stadt. Abends um sieben: Helikopter-Flug. Wir kreisen über den noch rauchenden Vulkan, über Kraterlandschaften und Lavafelder, die wie verkohlte Bettlaken aussehen. Zwischendurch ein Spa-Tag, weil der Körper auch mal aufhören muss zu staunen.